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Overload – wenn alles zu viel ist

Grafik "Autismus er-leben"

Wutanfall vs. Overload, Meltdown, Shutdown: Protest oder ein überlastetes Nervensystem? (Teil 1)

Kinder drücken ihre Wut und ihr Unbehagen meistens sehr klar und sichtbar aus. Sie schreien, stampfen, weinen, wälzen sich auf dem Boden, hören nicht mehr zu, wenden sich ab, kooperieren nicht mehr, laufen weg oder werfen auch mal mit Gegenständen.

Wenn Eltern zu uns in die Autismustherapie-Beratung kommen, gehen sie teilweise noch davon aus, dass ihr Kind bestimmte Verhaltensweisen mit einer „bösen“ Absicht zeigt – etwa, um zu „provozieren“, „Aufmerksamkeit zu bekommen“ oder etwas „zu erzwingen“. Diese Annahme ist menschlich und verständlich. Die heftigen Reaktionen wirken von außen häufig wie ein klassischer Wutanfall und lösen bei Eltern Stress, Hilflosigkeit oder Schuldgefühle aus.

Wutanfall oder Überforderung?

Ein klassischer Wutanfall verfolgt meist ein konkretes Ziel. Das Kind möchte beispielsweise noch fernsehen, ein Spielzeug kaufen oder eine unangenehme Situation vermeiden. Oft beobachtet es dabei die Reaktion der Erwachsenen und beendet sein Verhalten, sobald es sein Ziel erreicht oder erkennt, dass dies nicht gelingt.

Ein Overload (Überlastung) entsteht dagegen, wenn das Gehirn und das Nervensystem mehr Reize verarbeiten müssen, als sie bewältigen können. Diese Reize können sensorischer, emotionaler, sozialer oder kognitiver Natur sein. Das Kind ist in diesem Moment nicht ungehorsam oder trotzig, es ist schlicht überfordert.
Folge eines solchen Overload können zwei unterschiedliche Reaktionen sein: ein Meltdown und/oder ein Shutdown.

Meltdown und Shutdown – zwei Reaktionen auf dieselbe Überforderung

Ein Meltdown ist eine intensive, unwillkürliche Reaktion auf eine massive Überlastung des Nervensystems. Das Kind verliert in diesem Moment die Kontrolle über seine Regulation. Es schreit, weint, schlägt um sich, flüchtet oder verletzt sich möglicherweise selbst oder andere. Häufig kann es weder sprechen noch zuhören. Anders als bei einem Wutanfall verfolgt ein Meltdown kein Ziel. Er endet erst, wenn die Überlastung nachlässt oder die körperlichen Energiereserven erschöpft sind. D.h. er dauert in der Regel deutlich länger als ein Wutanfall.

Ein Shutdown, der auch nach einem Meltdown folgen kann, ist eine andere mögliche Reaktion auf dieselbe Überforderung. Statt nach außen zu reagieren, zieht sich das Nervensystem gewissermaßen zurück. Das Kind wird sehr still, wirkt wie eingefroren, starrt ins Leere, spricht nicht mehr oder reagiert kaum noch auf seine Umgebung. Manche Kinder schlafen sogar ein. Von außen wird dieses Verhalten leider häufig als Sturheit oder Ignorieren missverstanden.

Weder Meltdown noch Shutdown sind Absicht oder gar Ausdruck mangelnder Erziehung. Sie sind ein Automatismus, der Versuch einer Selbstregulation.

Warum entsteht Overload?

Kinder im Autismus-Spektrum nehmen ihre Umwelt häufig besonders intensiv wahr. Viele können Reize weniger gut filtern als neurotypische Menschen. Dadurch sammelt sich im Laufe des Tages oft eine Vielzahl scheinbar kleiner Belastungen an.

Mögliche Auslöser sind:

  • sensorische Reize wie Lärm, helles Licht, Gerüche, Berührungen oder unbequeme Kleidung,
  • kognitive Anforderungen wie viele Informationen gleichzeitig, unklare Anweisungen oder häufige Wechsel, Multitasking,
  • starke Gefühle wie Freude, Angst oder Enttäuschung,
  • soziale Anforderungen wie Gespräche, Blickkontakt oder unerwartete Begegnungen,
  • Veränderungen von Routinen oder unvorhersehbare Situationen.

Overload baut sich oft schleichend auf und ist nicht immer sofort sichtbar. Es ist nicht ein einzelner Auslöser, sondern die Summe vieler kleiner Belastungen. Der letzte scheinbar unbedeutende Reiz – häufig am Nachmittag oder Abend – bringt das bereits überlastete Nervensystem schließlich an seine Grenze.

Overload vermeiden: Was kann man tun?

In der übernächsten Ausgabe von „Autismus er-leben!“ beschäftigen wir uns damit, wie sich ein Overload ankündigt und wie man die Kettenreaktion Overload-Meltdown-Shutdown vermeiden kann.

Duale Autismus- und Familientherapie und Elterntreff bei Zephir gGmbH

Zephir gGmbH bietet für Kinder im Autismus-Spektrum und ihre Eltern/Angehörigen eine „Duale Autismus- und Familientherapie“. Alle sechs bis acht Wochen veranstalten wir außerdem einen Elterntreff, bei dem sich Eltern/Angehörige von Kindern im Autismus-Spektrum untereinander austauschen und gegenseitig unterstützen können. Sprechen Sie uns bei Interesse gerne an.

Ansprechpartnerin:
Miriam Vogt (Bereichsleitung), Tel.: 0159 – 06 14 52 81 oder vogt@zephir-ggmbh.de

Unsere Arbeit wird gefördert durch die Berliner Jugendämter.