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Urlaub + Reisen mit Kindern im Spektrum

Grafik "Autismus er-leben"

Urlaub: Veränderung bedeutet auch Stress!

Tipps unserer Autismus-Therapeutinnen für entspanntere Ferien

Endlich Ferien! Für viele Familien bedeutet das Reisen, Erholung und gemeinsame Erlebnisse. Für Kinder im Autismus-Spektrum sind Ferien jedoch oft mit großen Veränderungen verbunden. Was viele am Urlaub genießen – den gewohnten Alltag hinter sich zu lassen – kann für autistische Kinder und ihre Familien zur Herausforderung werden.

„Die Ferien sind viel zu leise“, sagte einmal einer unserer Klienten. Diese Formulierung lässt sich vielfältig interpretieren. Womöglich war der Strukturbruch und auch der durch Schule und Co verbundene Trubel damit gemeint. Manchmal sind die Ferien aber auch viel zu laut. Koffer packen, das vertraute Zuhause verlassen, lange Autofahrten oder Flüge, eine ungewohnte Umgebung, andere Tagesabläufe und viele neue Eindrücke können schnell überfordern. Die Reaktionen sind dabei ganz unterschiedlich: Manche Kinder ziehen sich zurück, andere werden unruhig, verweigern Aktivitäten oder erleben schließlich einen Shutdown oder Meltdown.

Den Urlaubsort bewusst wählen

Viele Familien fahren gerne immer wieder an denselben Urlaubsort. Das hat einen großen Vorteil: Die Umgebung ist bereits vertraut, die Orientierung fällt leichter und die Eingewöhnung gelingt oft schneller. Häufige Ortswechsel oder sehr belebte Urlaubsorte erfordern dagegen viel Flexibilität und können zusätzlichen Stress bedeuten.

Manche Personen im Autismus-Spektrum haben zudem eine sogenannte „Weglauf-Tendenz“ – besonders dann, wenn sie vielen neuen Reizen ausgesetzt sind oder sich von etwas angezogen fühlen. Spezialinteressen spielen hier eine Rolle. Eltern und andere Begleitpersonen sollten sich auf dieses mögliche Verhalten einstellen. Aber auch ein GPS-Tracker kann in solchen Situationen zusätzliche Sicherheit geben und dabei helfen, das Kind im Ernstfall schnell wiederzufinden.

Gut vorbereitet reist es sich entspannter

Sicherheit und Vorhersehbarkeit schaffen

Je besser Ihr Kind weiß, was auf es zukommt, desto entspannter kann der Start in den Urlaub gelingen. Nutzen Sie bekannte Tages- oder Wochenpläne, einen Kalender zum Abhaken oder Fotos vom Urlaubsort, um die Zeit bis zur Abreise vorzubereiten und das Urlaubsziel schon vorher anschaulich zu machen. Auch das gemeinsame Kofferpacken kann Teil dieser Vorbereitung sein.

Die Anreise gut planen

Ob Auto, Bahn oder Flugzeug – jede Reise bringt eigene Herausforderungen mit sich. Planen Sie genügend Pausen ein und versuchen Sie, Rückzugsmöglichkeiten zu schaffen. Sorgen Sie für ausreichend Essen und Trinken – im besten Fall das, was Ihrem Kind bekannt ist. Hilfreich sind außerdem vertraute Beschäftigungsmöglichkeiten sowie Dinge, die Ihrem Kind Sicherheit geben, zum Beispiel:

  • Lieblingskuscheltier oder Lieblingsspielzeug
  • Fidget-Toys
  • Lieblingsmusik
  • Kopfhörer zur Reizreduktion
  • Sonnenbrille, Kappe oder Sichtschutz

Wenn möglich, wählen Sie Sitzplätze in ruhigeren Bereichen.

Unbekannte Situationen vorher üben

Gerade am Flughafen gibt es viele neue Abläufe. Was passiert beim Check-in? Wie läuft die Sicherheitskontrolle ab? Muss das Handgepäck geöffnet werden?
Rollenspiele zu Hause helfen dabei, solche Situationen vorab kennenzulernen. Das nimmt Ängste und vermittelt Sicherheit.

Hidden Disabilities Sunflower

An vielen Flughäfen gibt es inzwischen das Hidden Disabilities Sunflower-Programm. Menschen mit nicht sichtbaren „Beeinträchtigungen“ können ein grünes Sonnenblumenband tragen und signalisieren damit, dass sie etwas mehr Zeit, Verständnis oder Unterstützung benötigen. An dem Programm beteiligen sich in Deutschland u.a. die Flughäfen Berlin-Brandenburg, Düsseldorf, Frankfurt. Die Sunflower-Lanyards gibt es zum Teil direkt dort oder alternativ kann man sie auch vorher online bestellen: https://hdsunflower.com/row/shop.html

Zeitdruck vermeiden

Planen Sie ausreichend Zeit für das Packen, die Anreise und Ausflüge ein. Realistische Etappen und genügend Pausen helfen, Stress zu vermeiden. Auch Hilfsmittel zur Visualisierung von Zeit – beispielsweise Sanduhren – können dabei unterstützen.
Und auch wenn es viele spannende Möglichkeiten gibt: Planen Sie nicht jeden Urlaubstag komplett durch. Weniger Programm ist oft mehr. Freie Zeit, Rückzugsmöglichkeiten und gemeinsame Ruhephasen tun der ganzen Familie gut.

Vertrautes auch in den Ferien fortsetzen

Besonders im Urlaub geben vertraute Abläufe Sicherheit. Wenn möglich, behalten Sie ihre gemeinsamen Rituale bei. Visualisierungshilfen nach dem TEACCH-Prinzip können dabei unterstützen.

Falls Sie die Ferien zu Hause verbringen, kann es für manche Kinder hilfreich sein, gewohnte Termine – beispielsweise die Autismus-Therapie – weiterzuführen. Das bedeutet Kontinuität, Struktur und gibt Orientierung.

Ferien zu Hause

Ferien können auch zu Hause spannend gestaltet werden. Nutzen Sie spezielle Ferienangebote z.B. von Museen, Kinder- und Jugendfreizeitstätten (u.a. auch von unserem Kinder- und Jugendclub Zephir’s Sport-Attack) oder Sport-Vereinen. Wählen Sie Angebote aus, die zu den Interessen Ihres Kindes passen – zum Beispiel Computer-Workshops, kreative Kurse oder Sportangebote. Spezialinteressen dürfen dabei ausdrücklich im Mittelpunkt stehen.

Die Alternative: Reisen für Menschen für Behinderung

Inzwischen gibt es auch erste Reiseangebote für Menschen im Autismus-Spektrum – von autismusfreundlichen Hotels (z.B. https://www.gloriapalaceth.com/de/autism-friendly/) bis hin zu begleiteten Reisen. Solche Angebote können besonders für Jugendliche und junge Erwachsene eine gute Möglichkeit sein, mehr Selbstständigkeit zu erleben – sicherlich für Eltern wie Kinder erst mal ein Abenteuer!

Beratung und Unterstützung bei der Auswahl bietet z.B. der Verein Selbstbestimmt Autistisch 2019. Die besten Tipps aber erhalten Sie von anderen Eltern, die schon konkrete Erfahrungen gesammelt haben. Kommen Sie doch einfach mal zu unserem Elterntreff: https://zephir-ggmbh.de/kalender/?mcat=16

Weitere Impulse zum Thema „Reisen“ gibt es auch von der Leiterin unseres Bereichs „Duale Autismus- und Familien-Therapie“ Miriam Vogt in ihrem YouTube-Video:

Wir wünschen schöne Ferien!

Duale Autismus- und Familientherapie und Elterntreff bei Zephir gGmbH

Zephir gGmbH bietet für Kinder im Autismus-Spektrum und ihre Eltern/Angehörigen eine „Duale Autismus- und Familientherapie“.

Ansprechpartnerin:
Miriam Vogt (Bereichsleitung), Tel.: 0159 – 06 14 52 81 oder vogt@zephir-ggmbh.de